Terror innerhalb der eigenen Reihen
Kriegsgebiete bringen extreme Bedingungen und enormen psychischen Druck mit sich – das ist hinlänglich bekannt. Doch was sich bisweilen innerhalb der eigenen Befehlsketten abspielt, erweist sich als ebenso gnadenlos wie das Geschehen an der Frontlinie selbst, wenn nicht sogar schlimmer.
Schockierende Aufnahmen kursieren im Netz
Höchst beunruhigende Berichte über den Umgang von Vorgesetzten mit ihren untergebenen Soldaten dringen nun an die Öffentlichkeit. Durchgesickerte Videoaufnahmen, die im Internet verbreitet werden, zeigen brutale Körperstrafen und erniedrigende Behandlungen. Zu sehen sind Männer, die mit Klebeband an Bäume gefesselt wurden, sowie Soldaten, die zur Strafe riesige Gräben ausheben mussten.
Das erschütternde Material wurde ursprünglich von einem ukrainischen Militärjournalisten auf Grundlage einer anonymen Quelle veröffentlicht. Einer der bedrückendsten Clips zeigt einen Kommandeur, der vor einem sichtlich zitternden Soldaten steht, dem ein Finger fehlt. Der Offizier wirft dem Mann das abgetrennte Körperteil daraufhin kaltblütig entgegen.
Die Situation eskaliert in dem Video auf noch erschreckendere Weise. Der außer sich geratene Vorgesetzte fragt den Soldaten höhnisch, ob er Durst habe – und uriniert anschließend in einen Plastikbecher, den der verängstigte Mann dann austrinken muss.
Vorwürfe extremer Grausamkeit
Den vorliegenden Hinweisen zufolge ereigneten sich diese Gräueltaten innerhalb inoffizieller Strafbataillone, die der 36. Garde-Motorschützenbrigade unterstellt sind. Schwere Prügel, Elektroschocks und Drohungen, die Männer ohne Munition als lebende Zielscheiben in den Angriff zu schicken, sollen dort zur gängigen Praxis gehört haben.
Das Ausmaß dieser Taten soll enorm sein: Angeblich tragen die Hälfte aller Betroffenen aus diesen Einheiten sichtbare Narben auf dem Rücken. Wer infolge der Misshandlungen verschwand, wurde in offiziellen Unterlagen schlicht als vermisst geführt oder mit dem Standardcode für im Kampf Gefallene eingetragen.
Verzweifelte Familienangehörige versuchten wiederholt, die zuständigen Behörden auf diese Zustände aufmerksam zu machen. Die Brigadeführung griff jedoch stets aktiv ein und sorgte dafür, dass keine einzige Beschwerde den Weg zu den übergeordneten Stellen in Moskau fand.
Held oder skrupelloser Schlächter?
In den Beschwerden tauchte immer wieder der Name des Kommandeurs Karajew auf, den die Soldaten aus Angst intern den Schlächter nannten. Die gesammelten Details weisen direkt auf die Person von Oberst Kurabek Karajew hin.
Ihm wird nun vorgeworfen, seine Untergebenen aktiv dazu gezwungen zu haben, schwer verwundete russische Kameraden zu töten und jene gnadenlos hinzurichten, die sich weigerten, an sinnlosen Offensiven teilzunehmen. Trotz dieser schwerwiegenden Anschuldigungen wurde er vor knapp einem Jahr vom russischen Verteidigungsminister Andrej Belousow feierlich mit dem Titel Held Russlands ausgezeichnet.
Inmitten eines laufenden Kriegskonflikts ist es naturgemäß nahezu unmöglich, derartige audiovisuelle Materialien und die damit verbundenen Aussagen unabhängig zu überprüfen. Es bleibt daher weiterhin unklar, zu welchem genauen Zeitpunkt und an welchem Frontabschnitt diese drastischen Aufnahmen tatsächlich entstanden sind.










