Ein überraschendes Ergebnis aus der Wissenschaft
Innere Ruhe und ein stabiles seelisches Gleichgewicht im Alltag zu finden — das gelingt den wenigsten Menschen mühelos. Viele verlassen sich dabei auf ihr soziales Umfeld und ihre Fähigkeit, mit Stress umzugehen.
Doch wie stark wir uns mit anderen verbunden fühlen, verändert sich im Laufe des Lebens erheblich. Besonders deutlich wird das, wenn man betrachtet, wie sich das Weltbild mit zunehmendem Alter wandelt.
Was die Studie aus Schweden zeigt
Forscherinnen und Forscher der Universität Lund haben eine umfangreiche Analyse durchgeführt, an der mehr als 34.000 Menschen in Schweden teilnahmen. Im Fokus standen Persönlichkeitsmerkmale und soziale Bindungen — mit dem Ziel zu verstehen, wie es den Menschen tatsächlich geht.
Die Ergebnisse dieser breit angelegten Untersuchung waren in mehrfacher Hinsicht verblüffend. Es zeigte sich, dass Menschen über sechzig Jahre sich deutlich seltener einsam fühlen als junge Erwachsene in ihren Zwanzigern. Das Gefühl von Geborgenheit in engen Beziehungen nimmt offenbar mit dem Alter spürbar zu.
Wie sich das psychische Wohlbefinden verändert hat
Der Graben zwischen den Generationen war früher längst nicht so ausgeprägt. Ein entscheidender Wendepunkt kam mit dem Ausbruch der weltweiten Pandemie im Jahr 2020.
Seitdem ist das biologische Alter zu einem zentralen Faktor für das allgemeine Wohlbefinden geworden. Jüngere Studienteilnehmende berichten heute von einem merklich schlechteren psychischen Zustand als vor der Krise — bei älteren Jahrgängen war hingegen das Gegenteil zu beobachten: Sie erlebten einen unerwarteten Aufschwung in ihrer Stimmung.
Der an der Studie beteiligte Forscher August Nilsson verweist auf einen klaren Trend. Seinen Daten zufolge gilt: Je älter ein Mensch, desto glücklicher ist er. Den absoluten Höhepunkt der Lebenszufriedenheit erreichen Menschen demnach etwa um das fünfundsiebzigste Lebensjahr, wobei der Aufwärtstrend bis ungefähr zum achtzigsten Lebensjahr anhält.
Unterschiedliche soziale Gewohnheiten als Erklärung
Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen hängt eng damit zusammen, wie verschiedene Altersgruppen die harten Pandemiebeschränkungen erlebt haben.
Junge Menschen verloren damals von einem Tag auf den anderen ihre gewohnten Treffpunkte. Die Schließung von Gemeinschaftsräumen, der Wegfall von Sporttraining und das Ende des Studentenlebens trafen ihre sozialen Kontakte besonders hart.
Ältere Menschen hingegen passten sich den neuen Umständen wesentlich reibungsloser an. Sie wissen in der Regel bereits viel besser, in welche Beziehungen es sich lohnt, Zeit und Energie zu investieren. Im Laufe von Jahrzehnten haben sie zudem eine ausgeprägte emotionale Stabilität entwickelt.
Auch wenn das Forschungsteam nicht alle Ursachen der wachsenden Zufriedenheit im Alter mit Sicherheit benennen kann, bleibt eines unbestreitbar: Das tägliche Sorgen- und Angstlevel sinkt in späteren Lebensphasen deutlich ab.
Fachleute gehen davon aus, dass ältere Menschen schlicht klarer wissen, wer zu ihrem engsten Freundeskreis gehört. Die Notwendigkeit, Zeit nur mit wenigen Vertrauten zu verbringen, empfanden sie deshalb als natürlicher. Der Verlust großer sozialer Gemeinschaften traf die junge Generation hingegen ungleich härter — denn genau solche Kollektive sind für diese Lebensphase von zentraler Bedeutung.










