Ein verhängnisvolles Flüstern im Klassenzimmer
Mit dem Herannahen des fünfundzwanzigsten Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001 kehren die düsteren Erinnerungen an jenen Tag zurück. George W. Bush, der sich zum Zeitpunkt der Einschläge in einer Grundschule in Florida befand, hat nun völlig neue und bisher unveröffentlichte Einblicke in diesen schicksalhaften Tag gewährt.
Bei einer Veranstaltung an der Universität von Dallas in Texas, an der auch die damalige Außenministerin Condoleezza Rice teilnahm, wurden tiefere Einblicke in das Geschehen jener Stunden offenbart. Das Gespräch, das kurz vor dem bevorstehenden Jahrestag stattfand, enthüllte Bushs innerste Empfindungen in dem Moment, als er von dem laufenden Angriff erfuhr. Das Foto, das zeigt, wie ein Berater dem Präsidenten die erschreckende Nachricht ins Ohr flüstert, hat sich für immer in die Weltgeschichte eingeschrieben.
„In diesem Moment befand sich Amerika unter Angriff. Ich hatte keine Zeit für eine lange Analyse, aber mir wurde eine grundlegende Sache klar – meine oberste Pflicht war es nun, das kleine Mädchen, das mir gerade vorgelesen hatte, ihre Familie und das gesamte Land zu schützen“, erinnerte sich Bush an seinen ersten Moment absoluter Klarheit.
Flugzeuge wurden plötzlich zu Waffen
Die darauffolgenden Stunden standen im Zeichen enormen Chaos, in dem die Führungsspitze des Landes folgenschwere Entscheidungen mit einem absoluten Minimum an Informationen treffen musste. Jedes zivile Flugzeug am amerikanischen Himmel verwandelte sich schlagartig in eine gewaltige Bedrohung.
Die frühere Chefin der US-Diplomatie erläuterte ausführlich, wie komplex die damalige Lage war. „Jedes Flugzeug war auf einmal eine riesige Rakete“, betonte Rice und fügte hinzu, dass der Präsident buchstäblich von Sekunde zu Sekunde unvorstellbar schwere Entscheidungen treffen musste. Eine der schwierigsten war die Frage, wie vorzugehen sei, wenn ein Flugzeug nicht sicher identifiziert werden könne.
Anschließend enthüllte sie einen erschütternden Aspekt eines beispiellosen Militärbefehls. Über den Vizepräsidenten erging damals ein eindeutiger Befehl: Sollte ein Flugzeug nicht ordnungsgemäß auf die Transpondersignale reagieren, müsse das Militär es kompromisslos zum Absturz bringen. Bush bestätigte diese Anweisungen während der Diskussion persönlich.
Falschmeldungen und Panik im Präsidentenbunker
Die extreme Anspannung führte zwangsläufig zur Verbreitung ungenauer Meldungen direkt im Krisenstab der Regierung. Laut Rice glaubten anfangs alle in den höchsten Rängen, dass das Militär tatsächlich Flug Nummer 93 abgeschossen hatte. Die Wirklichkeit war jedoch weitaus heroischer – die Passagiere an Bord dieses vierten entführten Flugzeugs, das höchstwahrscheinlich das Weiße Haus treffen sollte, leisteten den Entführern tapfer Widerstand, und die Maschine stürzte schließlich in der einsamen Landschaft Pennsylvanias ab.
Dramatische Momente erlebte auch der Präsident selbst in Washington. Geheimdienst-Agenten evakuierten ihn wegen einer unmittelbar drohenden Gefahr in aller Eile in die unterirdischen Bunker des Weißen Hauses. Kurz darauf stellte sich jedoch heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte, ausgelöst durch die fehlerhafte Identifizierung eines Kampfjets auf dem Radar.
Die angespannte Situation wurde schließlich von einem jungen Soldaten entschärft, der den Präsidenten versicherte, dass das erfasste Flugzeug zu den amerikanischen Streitkräften gehöre. Bush erklärte mit einem leichten Lächeln, dass General Dan Caine damals mit einem falsch eingestellten Transponder zur Militärbasis Andrews zurückflog. Die Sicherheitssysteme des Weißen Hauses werteten diesen Kommunikationsfehler sofort als bevorstehenden finalen Angriff – was in den höchsten Regierungskreisen eine Welle echter Panik auslöste.










