Der Weg von der schwarzen Liste erfordert harte Zugeständnisse
Ein neues diplomatisches Kapitel hat sich geöffnet, das die Chancen erheblich verbessert, Syrien von der amerikanischen Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten zu streichen. Die neue syrische Führung, die unter der früheren Herrschaft Baschar al-Assads zu Moskaus treuesten Verbündeten zählte, soll angeblich einer drastischen Reduzierung russischer Rohölimporte zugestimmt haben. Das ist ein klares Signal für den Willen, das angespannte Verhältnis zu den Vereinigten Staaten zu normalisieren.
Dieser überraschende Schachzug fällt zeitlich mit einer kürzlich erfolgten Ankündigung Donald Trumps zusammen. Er erklärte öffentlich sein Interesse daran, dem Nahost-Staat das Etikett des Terrorismussponsors zu nehmen. Geopolitische Experten sehen das aktuelle Vorgehen Damaskus als unmittelbaren Beweis der Bereitschaft zu weitreichenden Kompromissen, nur damit dieser entscheidende Schritt tatsächlich vollzogen wird. Ein erfolgreicher Abschluss des Prozesses würde das definitive Ende harter internationaler Sanktionen bedeuten, die die dortige Wirtschaft bereits seit 1979 lähmen.
Einigungschancen wachsen auch ohne Ultimaten
Obwohl Vertreter der US-Regierung eine sofortige Abkoppelung von russischen Energielieferungen nicht als absolute und strikte Bedingung formuliert haben, würde ein vollständiger Stopp der Einkäufe den diplomatischen Prozess zweifellos erleichtern. Ein solches Zugeständnis öffnet nämlich die Tür zur raschen Aufhebung des Terroristenstatus ohne weitere politische Komplikationen.
Zum Hintergrund ist wichtig zu erwähnen, dass Russland nach dem Fall des Assad-Regimes als Hauptlieferant von Öl für den gesamten syrischen Markt fungierte. Die Abhängigkeit von diesen Lieferungen stieg allein im laufenden Jahr um gewaltige 75 Prozent an.
Suche nach alternativen Energiepartnern
Hochrangige Vertreter Damaskus‘ weisen jedoch zurück, dass hinter den früheren Einkäufen aus Moskau politische Loyalität gesteckt habe. Die aktuelle Orientierung auf russisches Öl sei nach ihrer Darstellung rein pragmatischer Notwendigkeit geschuldet und dem vollständigen Mangel an anderen tragfähigen Alternativen — nicht etwa staatlichen Präferenzen.
Syrische Unterhändler sollen ihren amerikanischen Gesprächspartnern einen glasklaren Standpunkt vermittelt haben: Sobald die USA die bestehende Sanktionsblockade aufheben, werde Damaskus seine Energieeinkäufe sofort zu anderen Partnern umleiten. Veränderungen zeichnen sich bereits jetzt langsam, aber sicher hinter den Kulissen ab. Führende Beamte des syrischen Energiesektors rechnen schon bald mit einer vollständigen Umgestaltung globaler Lieferketten.
Erste konkrete Vereinbarungen entstanden bereits im Juni, als Syrien strategische Dokumente mit den Unternehmen ConocoPhillips und Novaterra unterzeichnete. Im Juli folgten intensive Verhandlungen mit dem französischen Energieriesen TotalEnergies über eine mögliche Erkundung von Meeresbodenlagerstätten.
Das Ende des russischen Wirtschaftseinflusses zeichnet sich ab
Ein entscheidender Wendepunkt kam am 8. Juli, als die Trump-Regierung den US-Kongress offiziell über die Absicht informierte, Syrien von der schwarzen Liste zu streichen. Mit diesem historischen Schritt begann eine 45-tägige Frist. In diesem Zeitraum müssen die Behörden eingehend prüfen und bestätigen, dass das betreffende Land keine Unterstützung für Terrorismus mehr leistet.
Das Kappen der lukrativen Ölverbindungen wird Moskau an seiner empfindlichsten Stelle treffen. Navvar Saban, ein angesehener Experte des Arabischen Zentrums für Zeitgenössische Studien, bemerkte dazu, dass Washington gezielt die letzten Reste wirtschaftlicher Netzwerke angreife. Genau diese hatten Russland ermöglicht, auch nach dem Verlust seines politischen Einflusses in der Region weiterhin stark präsent zu bleiben.
Der Ausstieg aus dem bestehenden System wird jedoch nicht völlig schmerzlos vonstatten gehen. Fachleute warnen, dass ein so rascher Ersatz derart großer Mengen russischen Rohstoffs schlichtweg nicht von heute auf morgen realisierbar ist. Es droht ein sehr reales Risiko vorübergehender Treibstoffknappheit sowie stark steigender Importkosten, was das Land in der Übergangsphase spürbar belasten könnte.










