Spanisches Naturparadies zum schönsten Ort der Welt gekürt: Das müssen Sie sehen

Ein verborgenes Bergjuwel wird enthüllt

Der rauhe Norden Spaniens birgt einen atemberaubenden Naturschatz, den bis vor Kurzem fast ausschließlich Einheimische kannten. Doch nun zieht dieses unberührte Fleckchen Erde weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Der Nationalpark Picos de Europa wurde in einem renommierten internationalen Ranking, das 51 Reiseziele weltweit umfasste, zum absoluten Sieger gekürt.

Damit ließ er selbst echte Ikonen des Tourismus hinter sich – darunter den indonesischen Komodo-Nationalpark und die legendäre Morgan Library & Museum in New York. Für viele deutsche Reisende ist dieser europäische Winkel noch weitgehend unbekannt, doch der neu gewonnene Ruhm dürfte das in kürzester Zeit ändern.

Ein Triumph über den Massentourismus

Den ersten Platz sicherte sich das Schutzgebiet durch eine schier unglaubliche Kombination aus dramatischen Berggipfeln, tiefen Schluchten und spiegelklaren Seen. Anders als viele berühmtere Nationalparks, die heute unter dem erdrückenden Besucheransturm leiden, bewahrt dieses spanische Naturwunder noch immer sein wildes, ursprüngliches und erstaunlich ruhiges Gesicht.

Wo genau liegt dieses spanische Wunderwerk?

Das weitläufige Schutzgebiet erstreckt sich über beeindruckende 65.000 Hektar im Norden der Iberischen Halbinsel und berührt gleich drei verschiedene Regionen:

  • Asturien
  • Kantabrien
  • Kastilien und León

Es liegt etwa eine Autostunde landeinwärts von der kantabrischen Küste des Golfs von Biskaya entfernt. Die gesamte Region bildet einen majestätischen Teil des Kantabrischen Gebirges. Erfahrene Bergwanderer vergleichen die hiesigen Landschaften häufig mit den italienischen Dolomiten. Steile Felswände und scharfe Gipfel aus hellgrauem Kalkstein verändern ihre Färbung den ganzen Tag über auf magische Weise, je nachdem wie das Sonnenlicht auf sie fällt.

Perfekte Harmonie zwischen Mensch und Natur – mit UNESCO-Siegel

Den Status eines Nationalparks erhielt das Gebiet offiziell im Jahr 1995. Nur acht Jahre später folgte eine weitere bedeutende Auszeichnung: Die UNESCO nahm es in ihre weltweite Liste der Biosphärenreservate auf. Dieses Prädikat wird ausschließlich Orten verliehen, an denen Mensch und Natur erfolgreich eine nachhaltige Koexistenz anstreben.

Der strenge Schutz in Verbindung mit traditioneller Berglandwirtschaft hat eine Landschaft geschaffen, die an vielen Stellen wirkt, als wäre die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben. Ursprüngliche kleine Dörfer, bescheidene Höfe und alte Viehtriebswege, auf denen das allgegenwärtige Läuten der Kuhglocken zu hören ist, gehören bis heute untrennbar zum lokalen Charakter.

Ein Königreich seltener Tiere

Die Artenvielfalt hier ist für Mitteleuropäer schlichtweg überwältigend. Während in den tieferen Lagen dichte Eichen- und Buchenwälder dominieren, übernehmen mit zunehmender Höhe nackte Kalksteinmassive und saftige Almwiesen das Zepter. Dieser außergewöhnlich vielfältige Mix bietet Lebensraum für Tiere, die in anderen Teilen Europas längst verschwunden sind.

Zu den größten tierischen Raritäten des Parks zählen:

  • Kantabrische Gämse – ein unglaublich flinkes Endemit, das selbst die steilsten Felshänge mühelos erklimmt.
  • Auerhuhn – ein ausgesprochen scheuer Waldvogel, der hier noch die nötige Ruhe für seine Balzplätze findet.
  • Braunbär – der scheue, aber ikonische Herrscher der hiesigen Wildnis. In der gesamten Region überleben heute nur noch wenige Individuen.

Über den zerklüfteten Kämmen kreisen regelmäßig majestätische Greifvögel wie Steinadler und Gänsegeier. Für Biologen funktioniert dieses unberührte Gebiet wie ein faszinierendes Freilichtlabor. Es zeigt eindrucksvoll, wie harmonisch ein europäisches Bergökosystem ohne den Einfluss von Schwerindustrie und intensiver Landwirtschaft funktionieren kann.

Unvergessliche Routen und Aussichten, die den Atem verschlagen

Neben der seltenen Tier- und Pflanzenwelt lockt die Picos de Europa vor allem mit atemberaubenden Naturpanoramen. Zwei Orte ragen dabei besonders heraus:

Ruta del Cares: Schwindel erregend am Abgrund

Sie gilt als die mit Abstand beliebteste Wanderroute des gesamten Parks. Die Ruta del Cares ist ein etwa zwölf Kilometer langer Pfad, den Arbeiter einst buchstäblich in die senkrechte Felswand einer gewaltigen Schlucht gemeißelt haben. Auf einer Seite hängen Tonnen von Gestein über einem, auf der anderen öffnet sich ein tiefer Abgrund hinunter zum reißenden Fluss.

Dieses ingenieurtechnische Meisterwerk entstand ursprünglich nur zur Wartung eines historischen Wasserkanals – heute gilt es als der meistfotografierte Wanderweg Spaniens. Wer unter Schwindel leidet oder kein festes Schuhwerk trägt, sollte diese Route unbedingt meiden. Viele Abschnitte sind ausgesprochen schmal und vollständig ohne Schutzgeländer.

Mit der Seilbahn direkt in die Wolken

Wer steile Aufstiege scheut, dem hilft die ikonische Kabinenseilbahn in Fuente Dé. In wenigen Minuten befördert sie einen aus dem tiefen Tal hinauf auf eine spektakuläre Aussichtsplattform auf 1.823 Metern Höhe. Von der Bergstation aus lassen sich deutlich weniger anspruchsvolle Wanderungen über die Hochplateaus unternehmen.

Diese komfortable Variante ist ideal für Familien mit Kindern und Gelegenheitswanderer, die Hochgebirgspanoramen ohne großen Schweißausbruch genießen möchten. In den Ferienmonaten muss man jedoch rund um die Mittagszeit mit längeren Warteschlangen an der Talstation rechnen.

Eine Oase der Ruhe mit authentischem Charakter

Trotz des frisch errungenen Titels als schönster Ort der Welt bietet der spanische Park deutlich mehr Privatsphäre als die notorisch überfüllten Alpen oder die französischen Pyrenäen. Gigantische Hotelkomplexe sucht man hier vergebens, Mega-Campingplätze gibt es nicht, und nur ein kleiner Bruchteil der Gemeinden lebt ausschließlich vom Tourismus.

Besucher können deshalb die echte lokale Atmosphäre in vollen Zügen genießen. Kleine Berggasthöfe servieren die besten regionalen Spezialitäten. Besonders empfehlenswert sind die deftigen Bohneneintöpfe und die kräftigen Bergkäse, die in nahegelegenen Karsthöhlen langsam reifen.

So holen Sie das Beste aus Ihrem Besuch heraus

Die internationale Aufmerksamkeit wird in den kommenden Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich mehr Reisende in die Region locken. Die lokalen Behörden bereiten sich bereits mit intelligenten Parkleitsystemen und Pendelbus-Konzepten darauf vor. Für Besucher bedeutet das sorgfältigere Planung – für die Natur bedeutet es dringend benötigte Entlastung.

Wer den Park von seiner besten Seite erleben möchte, sollte ein paar grundlegende Regeln beherzigen:

  • Hauptsaison meiden. Mai, Juni und September bieten stabiles Sonnenwetter, aber nur einen Bruchteil der sommerlichen Menschenmassen.
  • Mietwagen in Betracht ziehen. Er verschafft enorme Freiheit – aber die Befahrbarkeit der Hochgebirgspässe und die Parksituation sollten stets vorab online geprüft werden.
  • Navigation nicht vergessen. Für anspruchsvollere Touren ist eine detaillierte Offline-Karte auf dem Smartphone unverzichtbar, da die Beschilderung in abgelegenen Bereichen trügerisch sein kann.
  • Klug packen. Im Tal kann es dreißig Grad heiß sein, doch sobald man die 1.500-Meter-Grenze überschreitet, können eisiger Wind und undurchdringlicher Nebel unangenehm überraschen. Mehrlagige Kleidung ist das A und O.

Ein Ausflug in die Picos de Europa zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie unglaublich verletzlich Berglandschaften sein können. Ein plötzlicher Sturm oder herabfallendes Gestein kann aus einem entspannten Spaziergang schnell eine gefährliche Situation machen. Die örtlichen Bergrettungskräfte appellieren daher eindringlich an eine gründliche Vorbereitung. Genau diese Mischung aus rauer, fast trotziger Naturschönheit und dem notwendigen Respekt vor den Naturgewalten macht dieses spanische Juwel zu einem Ort, der sich für immer ins Gedächtnis einbrennt.

Author

  • Thomas Eder ist ein österreichischer Blogger, der über praktische Lifehacks, interessante Fakten und aktuelle Alltagsthemen schreibt. Seine Inhalte machen komplexe Themen leicht verständlich und unterhaltsam.

Scroll to Top