Ein neues Wettrennen zum Mond
Der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Diese uralte Sehnsucht nach dem Unbekannten verwandelt sich gerade in einen hochspannenden globalen Wettstreit – mit enormen Einsätzen und einem spektakulären Ziel: der Rückkehr von Menschen auf die Mondoberfläche.
Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China planen, innerhalb von nur vier Jahren eine bemannte Crew zum Mond zu schicken. Wer dieses erbitterte Rennen für sich entscheidet, sichert sich den prestigeträchtigen ersten Platz bei einer bemannten Mondlandung nach mehr als einem halben Jahrhundert.
- Ziel der USA: Bemannte Landung im Jahr 2028
- Ziel Chinas: Erreichen der Mondoberfläche bis 2030
Experten warnen jedoch, dass der amerikanische Zeitplan unter enormem Druck steht. Der Grund dafür liegt vor allem im rasanten und kontinuierlichen technologischen Fortschritt des asiatischen Rivalen.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Wissenschaftler wie der Astrophysiker Michael Linden-Vørnle vom Institut DTU Space schlagen Alarm: Die amerikanischen Landemodule seien derzeit schlicht nicht einsatzbereit. Da der gesetzte Termin buchstäblich vor der Tür steht, hängt der Erfolg der gesamten ehrgeizigen Mission an einem seidenen Faden.
Chinas Ingenieure hingegen arbeiten ihre Pläne mit bemerkenswerter Präzision ab. Fachleute halten es daher für durchaus realistisch, dass die asiatische Großmacht am Ende früher ihre Spuren im Mondstaub hinterlässt als die Amerikaner.
Die Entwicklung der amerikanischen kommerziellen Lander stützt sich stark auf die technologischen Kapazitäten der Privatunternehmen SpaceX und Blue Origin. Auf dem Weg dorthin türmen sich jedoch erhebliche technische Hindernisse auf – so explodierte die Rakete New Glenn erst kürzlich bei Testzündungen in diesem Jahr. Stehen die Raumfahrzeuge nicht rechtzeitig zur Verfügung, wird die Mission schlicht nicht stattfinden, und die Vereinigten Staaten riskieren, den Anschluss zu verlieren.
Der stetige Vormarsch des chinesischen Drachen
Das chinesische Raumfahrtprogramm profitiert vom strategischen Vorteil einer langfristigen Planung, die durch keinerlei innenpolitische Turbulenzen erschüttert wird. Die Ingenieure arbeiten derzeit intensiv an der Fertigstellung der leistungsstarken Trägerrakete Langer Marsch 10. Dieses innovative System sieht dabei eine eigene Rakete ausschließlich für die Astronauten und eine zweite separat für das Mondlandemodul vor.
Pekings Position wird zusätzlich durch beeindruckende Erfolge bei Robotersonden gefestigt. Bislang wurden sieben von acht geplanten Projekten erfolgreich abgeschlossen. Wie Christina Toldbo, Leiterin des Observatoriums Rundetårn, betont, haben die Chinesen sogar Geschichte geschrieben: Als erste Nation weltweit gelang es ihnen, wertvolle Gesteinsproben von der Rückseite des Mondes zur Erde zu bringen.
Darüber hinaus hat China eine vollständig eigenständige Orbitalstation aufgebaut. Dort sammeln chinesische Taikonauten entscheidende Erfahrungen mit dem Langzeitaufenthalt im Weltraum – ganz ähnlich wie westliche Besatzungen an Bord der Internationalen Raumstation.
Der eigentliche Kampf gilt der Infrastruktur
In diesem modernen Wettrennen geht es längst nicht mehr nur um bloßen Nationalstolz. Das eigentliche strategische Ziel beider Großmächte ist der Aufbau einer dauerhaften Präsenz sowie einer gemeinsamen Infrastruktur, die die Richtung der Weltraumforschung für ganze Jahrzehnte bestimmen könnte.
Auch wenn kein souveräner Staat den Mond rechtlich beanspruchen kann, darf er das, was er dort errichtet, vollständig sein Eigen nennen. Das Rennen verlagert sich damit auf einen entscheidenden Meilenstein: Wer zuerst Schlüsseleinrichtungen baut – etwa Mondtankstellen, auf die andere angewiesen sein werden –, der erlangt die absolute Vorherrschaft bei der künftigen Erkundung unseres Sonnensystems.










