Wirtschaftskrise verschärft sich: Russlands einziger Fernsehhersteller gehört der Vergangenheit an

Zeige injoy-jena.de öfter in den Google-Suchergebnissen.

injoy-jena.de zu Google hinzufügen

Das Ende eines gescheiterten Experiments

Ein Moskauer Gericht hat offiziell den Schlusspunkt unter die Existenz der einzigen offiziell registrierten russischen Fernseherfabrik gesetzt. Die Insolvenz gilt laut Berichten der Zeitung Kommersant als logische Konsequenz monatelanger finanzieller Turbulenzen. Dieser Fall ist kein Einzelschicksal – er steht sinnbildlich für die sich immer weiter zuspitzende wirtschaftliche Lage im Land.

Den Stein ins Rollen brachte im vergangenen Sommer der führende Elektronikhändler DNS. Der Grund: ein gigantischer unbezahlter Schuldenberg des Unternehmens in Höhe von mehr als 654 Millionen Rubel – umgerechnet rund 8 Millionen US-Dollar.

Von der Fabrik zur Pleite: Die Geschichte von Kvant

Das Unternehmen Kvant wurde 2016 im Moskauer Vorort Selenograd gegründet und produzierte ursprünglich Bildschirme für das DNS-Netzwerk unter der Marke Irbis. Doch ständig steigende Kosten und schwindendes Kundeninteresse machten das ehrgeizige Vorhaben auf Dauer unhaltbar.

Das Ausbleiben wichtiger Lieferungen aus dem Ausland

Die Lage verschlechterte sich dramatisch, als sich zentrale internationale Partner aus der Zusammenarbeit zurückzogen. Ihr Hauptmotiv: die begründete Angst vor sogenannten Sekundärsanktionen westlicher Regierungen.

Im Laufe des Jahres 2024 versiegten die Lieferungen unverzichtbarer Bauteile chinesischer Technologiegiganten wie TCL und Xiaomi nach Selenograd vollständig. Ohne diese essenziellen Komponenten mussten die Montagelinien sofort und vollständig stillgelegt werden.

Der Lieferausfall zog einen geradezu katastrophalen Umsatzeinbruch nach sich. Während der Jahresumsatz von Kvant im Jahr 2023 noch respektable 13,1 Milliarden Rubel (etwa 161,7 Millionen Dollar) betrug, folgte ein Jahr später der jähe Absturz. 2024 beliefen sich die Erlöse auf gerade noch 4,9 Milliarden Rubel – rund 60,5 Millionen Dollar.

Extreme Überschuldung und leere Lohntüten der Belegschaft

Im vergangenen Jahr brachen die Einnahmen praktisch vollständig ein. Die Fabrik erzielte lediglich 45 Millionen Rubel (ca. 555.000 Dollar), häufte dabei jedoch einen erschreckenden Verlust von 387 Millionen Rubel (4,7 Millionen Dollar) an.

Diese finanzielle Schieflage traf vor allem die einfachen Beschäftigten besonders hart. Ehemalige Mitarbeiter warten bis heute vergeblich auf ihre ausstehenden Löhne – der insolvente Betrieb schuldet ihnen noch immer Dutzende Millionen Rubel.

Zur ursprünglichen Klage von DNS gesellten sich im Laufe der Zeit mehr als zwei Dutzend weitere verärgerte Gläubiger. Aus den Gerichtsakten geht klar hervor, dass die Gesamtsumme der anerkannten Forderungen mittlerweile astronomische 4,15 Milliarden Rubel erreicht – das entspricht 51,2 Millionen Dollar.

Unter den größten Gläubigern finden sich durchaus klangvolle Namen: darunter der Technologieriese Yandex sowie die staatliche Großbank Sberbank.

Die Krise greift auf den Einzelhandel über

Die Probleme der Industrie schwappen längst auf den Einzelhandel über. Die Zeitung Kommersant hatte bereits darauf hingewiesen, dass Moskauer Einkaufszentren innerhalb eines einzigen Jahres eine massive Schließungswelle erlebt haben – rund 2.300 Geschäfte mussten ihre Pforten schließen.

Da neu eröffnete Betriebe die entstandenen Verluste nur zu etwa achtzig Prozent ausgleichen können, stehen großflächige Gewerbeimmobilien in Moskau zunehmend leer und suchen nach neuer Verwendung.

Swetlana Kusmina, Leiterin der Einzelhandelsimmobilienabteilung bei Accent, erklärte zur angespannten Marktlage, dass sich der Trend zur Massenaufgabe von Filialen in der ersten Jahreshälfte 2026 spürbar beschleunigt habe. Ihren Schätzungen zufolge könnte der Leerstand in Moskauer Einkaufszentren schon bald die beunruhigende Marke von 12 Prozent überschreiten.

Author

  • Thomas Eder ist ein österreichischer Blogger, der über praktische Lifehacks, interessante Fakten und aktuelle Alltagsthemen schreibt. Seine Inhalte machen komplexe Themen leicht verständlich und unterhaltsam.

Scroll to Top