Ein radikaler Machtwechsel
Wenn hochrangige Staatsmänner auf organisierte Kriminalität stoßen, greifen sie gewöhnlich zu massiven Polizeieinsätzen und verschärften Gesetzen. Doch manche Machthaber wählen einen völlig anderen, unerwarteten Weg.
Anstatt klassisch gegen das Verbrechen vorzugehen, entscheiden sie sich schlicht dafür, die bestehenden Netzwerke organisierter Gewalt vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen.
Was sich nach Putins Amtsantritt veränderte
Kurz nachdem Wladimir Putin das Präsidentenamt übernahm, begann ein tiefgreifender Wandel durch die russische Gesellschaft zu rollen. Der neue Staatschef versprach, das damals dysfunktionale Justizsystem rasch zu reformieren – und bei diesen Worten blieb es nicht.
Der Journalist und Analyst Zbigniew Parafianowicz hat kürzlich detailliert aufgezeigt, wie der Kreml die Landkarte der nationalen Kriminalität vollständig neu zeichnete. Die entscheidende Frage bleibt dabei, ob die Staatsführung die Straßenkriminalität wirklich beseitigen wollte – oder sie lediglich unter ihre Kontrolle bringen wollte.
Der Staat übernimmt das Ruder
Experten zeichnen ein erschreckendes Bild einer Regierung, die die kriminelle Sphäre praktisch verschluckt hat. Diese weitreichende und ausgeklügelte Strategie stützte sich maßgeblich auf die staatlichen Geheimdienste.
Die gesamte Welt der organisierten Gewalt wurde im Grunde verstaatlicht – Macht floss direkt in die Hände loyaler Agenten. Der zentrale Einfluss konzentrierte sich vollständig innerhalb der Geheimdienste, die über ein eigenes weitverzweigtes Netz geprüfter Informanten und Spitzel verfügten.
Dieser äußerst aggressive Schachzug hatte eine bisher unvorstellbare Konsequenz. Ehemalige Mafiabossen und gefürchtete lokale Vollstrecker fanden sich über Nacht unter der strengen Kontrolle des Staatsapparats wieder.
Eine völlig neue Elite entsteht
Durch die Eingliederung dieser dunklen Strukturen sicherte sich der staatliche Geheimdienst eine absolut einzigartige und unangreifbare Stellung in der Gesellschaft. Aus gewöhnlichen Regierungsspionen wurde schlagartig die mächtigste gesellschaftliche Schicht.
Parafianowicz weist darauf hin, dass die Menschen, die diese geheimen Operationen lenken, heute außerordentliche Privilegien genießen. Ihre aktuelle Stellung lässt sich ohne Weiteres mit dem Leben eines modernen Adels vergleichen.
Es fiel sogar der Gedanke, dass Vertreter dieser verborgenen Welt ein unantastbares Leben führen – „jeder Spion ist gewissermaßen ein Fürst.“
Dieses Bild trifft den Kern dessen, wie die Eliteagenten heute operieren. Durch ihren uneingeschränkten Zugang zu den bestgehüteten Geheimnissen und versteckten kriminellen Ressourcen halten sie im gegenwärtigen Russland die stärksten Trümpfe in der Hand.










