Eine Branche im Wandel – und doch nicht überall
Die Automobilindustrie erlebt seit Jahren eine beispiellose Transformation. Elektrofahrzeuge gewinnen spürbar an Boden und sind auf den Straßen kaum noch wegzudenken. Doch für viele Käufer zählen beim Neuwagenkauf weit mehr Faktoren als bloße Reichweite oder die neueste Bordelektronik.
Je höher der Anschaffungspreis eines Fahrzeugs klettert, desto stärker rücken Design, Emotionen und handwerkliche Perfektion in den Vordergrund. Im absoluten Luxussegment wiegen traditionelle Werte oft schwerer als digitale Innovationen.
Genau deshalb beobachtet die gesamte Automobilwelt mit großer Spannung, welchen Weg die exklusivsten Hersteller einschlagen werden.
Eine überraschende Vision für die Zukunft
Mate Rimac, Gründer des gleichnamigen Automobilherstellers und heutiger Chef von Bugatti, vertritt eine bemerkenswert eigenwillige Markteinschätzung. Er ist überzeugt, dass gewöhnliche Pkw zwar zunehmend von Elektromotoren dominiert werden – die Welt der Supersportwagen aber dem klassischen Verbrennungsmotor treu bleiben wird.
Diesen technologischen Kontrast verglich er kürzlich mit der Uhrmacherbranche. Obwohl uns heute hochpräzise Smartwatch-Technologie zur Verfügung steht, zieht es wohlhabende Kunden nach wie vor zu mechanischen Schweizer Luxusuhren.
Der renommierte Manager erläuterte, dass die große Mehrheit der Massenfahrzeuge auf Batteriebetrieb umstellen wird – in der Klasse der Spitzensportwagen und darüber hinaus dürften Verbrennungsmotoren jedoch noch sehr lange überleben. Sie werden wie jene mechanischen Uhren funktionieren, die Menschen wegen ihrer unverwechselbaren Seele kaufen.
Diese Aussagen klingen besonders pikant, wenn man bedenkt, dass Rimac Automobili im Jahr 2009 mit einem klaren Ziel gegründet wurde – ausschließlich elektrische Hyperautos zu bauen.
Nach dem wegweisenden Concept One folgte die legendäre Nevera mit einem Preis von umgerechnet mehr als einer halben Milliarde Kronen und einer beeindruckenden Höchstgeschwindigkeit von 412 km/h.
Im Jahr 2021 fusionierte das innovative Unternehmen mit Porsche und gründete gemeinsam das Joint Venture Bugatti Rimac. Damit vereinten sich das tiefe Know-how aus der Hochgeschwindigkeits-Elektromobilität mit einer jahrzehntelangen Tradition extremer Verbrennungsaggregate.
Auch deshalb schlägt der Nachfolger des berühmten Bugatti Chiron, der neue Tourbillon, keinen rein elektrischen Kurs ein. Unter seiner Haube steckt ein faszinierender 8,3-Liter-W16-Motor, dem drei Elektromotoren assistieren. Das Ergebnis soll eine beeindruckende kombinierte Systemleistung von 1.343 kW sein.
Wenn Exklusivität reine Geschwindigkeit übertrumpft
Ferrari verfolgt derweil mit seinem Elektromodell Luce eine etwas andere Strategie. Das erste Serienexemplar soll laut verfügbaren Berichten in den USA für astronomische 40 Millionen Dollar versteigert worden sein – und die für den australischen sowie neuseeländischen Markt vorgesehenen Fahrzeuge sind sofort ausverkauft.
Die enormen Unterschiede zwischen diesen berühmten Herstellern zeigen sich auch bei den Produktionszahlen deutlich. Während Ferrari im vergangenen Jahr weltweit 13.640 Fahrzeuge auslieferte, plant Bugatti lediglich 250 Exemplare des neuen Tourbillon zu bauen.
Einen ähnlich exklusiven und streng limitierten Ansatz verfolgt auch Rimac selbst. Bis Mai dieses Jahres wurden rund fünfzig Einheiten des Modells Nevera aus der auf 150 Stück angelegten Gesamtserie an Kunden übergeben.
Der kroatische Visionär ist fest davon überzeugt, dass Kunden im obersten Preissegment vor allem eines suchen: völlige Individualisierung. Sie möchten Premiummaterialien frei wählen, jedes Detail mitgestalten und handwerkliche Meisterschaft hautnah erleben.
Weitreichende Möglichkeiten zur Individualisierung bieten heute übrigens auch Marken wie Porsche, Maserati oder Mercedes-Benz über eigene Sonderabteilungen an.
Für Rimac verliert die Jagd nach maximaler Leistung damit schrittweise an absoluter Priorität. Da extrem schnelle Serienfahrzeuge auf dem Markt immer zahlreicher werden, möchte er bei seinen künftigen Kreationen technischen Einfallsreichtum, künstlerischen Wert und unbestreitbares handwerkliches Können in den Vordergrund stellen. Genau diese greifbaren Qualitäten sind es, die den schwindelerregenden Preis der exklusivsten Fahrzeuge der Welt zweifelsfrei rechtfertigen können.










