Die legendäre Hiphop-Ikone Tupac Shakur verlor am 7. September 1996 sein Leben – mitten im berüchtigten Krieg zwischen den Rappern der Ost- und Westküste. Das tödliche Drive-by-Shooting in den Straßen von Las Vegas nährte jahrzehntelang unzählige Verschwörungstheorien. Nun, nach fast drei Jahrzehnten des Rätselhaftens, ist eines der größten ungeklärten Verbrechen der Musikgeschichte offiziell geschlossen.
Wegen Mordes ersten Grades wurde kürzlich Duane „Keffe D“ Davis verurteilt. Den entscheidenden Durchbruch in dem Fall, über den so lange nur spekuliert wurde, brachte unter anderem ein vom Angeklagten verfasstes Memoirenbuch. Während die Verteidigung darin lediglich einen Versuch sah, mit einer erfundenen Geschichte Geld zu verdienen, erblickten die Staatsanwälte darin ein eindeutiges Geständnis. Die Jury brauchte am Ende gerade einmal drei Stunden, um ihr Urteil zu fällen.
Kasino, Schlägerei und blutige Rache
Die Ermittler bezeichneten Davis als Hauptarchitekten des gesamten tödlichen Anschlags. Ihren Erkenntnissen zufolge wurzelte die Tragödie in einer tiefen Feindschaft zwischen rivalisierenden Fraktionen – konkret zwischen dem Plattenlabel Death Row Records, das Tupac vertrat, und dem Straßengang Southside Compton Crips.
Der Funke sprang in jener verhängnisvollen Nacht über, als Davis‘ Neffe in einem Las-Vegas-Kasino in eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Musiker geriet. Staatsanwalt Binu Palal erklärte vor Gericht, dass in der rauen Welt der Straßengangs eine solche Demütigung nicht ungesühnt bleiben konnte. Davis beschaffte sich daraufhin eine Waffe und machte sich mit seiner Gruppe auf die Suche – nicht nur nach Shakur, sondern auch nach dem Musikproduzenten Marion „Suge“ Knight.
Das verhängnisvolle Buch und ein altes Geständnis
Zum zentralen Beweisstück der Anklage wurde die 2019 erschienene Autobiografie Compton Street Legend. Im Verlauf der Verhandlung wurde ein Werbevideo abgespielt, in dem Davis selbst ein Exemplar des Buches in die Kamera hält und dem Publikum verspricht, darin die wahre Geschichte hinter dem damaligen Vorfall zu finden. Genau diese öffentliche Eigenwerbung bestätigte laut Staatsanwalt Palal die Authentizität seiner Aussagen – und bildete das Fundament des abschließenden Plädoyers der Anklage.
Die Anwälte des Verurteilten argumentierten zwar, dass der Mitautor der Biografie zahlreiche Details für bessere Verkaufszahlen aufgebauscht habe, doch dem Gericht lagen weitere unwiderlegbare Materialien vor. Bereits 2008 hatte Davis bei einer Befragung detailliert geschildert, dass er während des folgenschweren Beschusses auf dem Beifahrersitz saß. Diese wesentlichen Informationen hatte er damals im Rahmen einer speziellen Schutzvereinbarung preisgegeben, die ihn vor Strafverfolgung wegen unzusammenhängender Delikte schützen sollte. Dieser frühere Schritt sicherte ihm jedoch keine vollständige Immunität im Mordfall des berühmten Rappers.
Verschwundene Akten halfen der Verteidigung nicht
Verteidiger Michael Sanft bestand bis zuletzt darauf, dass sein Mandant die gesamte Beteiligung an dem Vorfall lediglich aus finanzieller Gier erfunden habe. Er argumentierte unter anderem damit, dass die Schusswinkel vom Tatort absolut nicht mit Davis‘ Schilderung der Situation übereinstimmten. Sanft erklärte unverblümt, der Angeklagte habe schlichtweg die Unwahrheit gesagt – und das sei der Hauptgrund gewesen, warum es bereits Jahrzehnte zuvor zu keiner offiziellen Anklage gekommen sei.
Die Kritik der Verteidigung richtete sich auch gegen das ursprüngliche Vorgehen der Ermittler. Sanft betonte gegenüber den Geschworenen, dass wichtige Polizeidokumente aus den Anfängen der Ermittlungen auf mysteriöse Weise verschwunden seien. Er behauptete, dass die Jury aufgrund dieser fehlenden und unvollständigen Unterlagen keine faire Einschätzung der damaligen Ereignisse vornehmen könne.
Sein Versuch, den Ermittlungsprozess in Zweifel zu ziehen, fiel jedoch auf taube Ohren. Die Geschworenen entschieden ohne Zögern, dass hinter der tödlichen Septembernacht in Las Vegas niemand anderes als Keffe D steckte – und besiegelten damit endgültig seine Schuld wegen Mordes ersten Grades.










