Warum unsere Ohren beim Start und bei der Landung so rebellieren
Beim Sinkflug eines Flugzeugs erleben unzählige Passagiere einen plötzlichen und äußerst unangenehmen Druck im Gehörgang. Was zunächst wie ein lästiges Ziehen beginnt, kann sich bei vielen Reisenden rasch zu einem stechenden Schmerz oder einem intensiven Völlegefühl entwickeln.
Dieser störende Missstand kann das Ende einer Reise gehörig vermiesen – besonders dann, wenn man mit weinenden Kindern an Bord sitzt oder bereits erkältet ins Flugzeug gestiegen ist. Zum Glück hinterlässt dieser Zustand in aller Regel keinerlei dauerhafte gesundheitliche Schäden.
In den meisten Fällen lässt sich das Problem mit wenigen einfachen Handgriffen schnell in den Griff bekommen. Reichen diese Grundmaßnahmen nicht aus, kommt das bewährte Valsalva-Manöver ins Spiel – eine Technik, die das Mittelohr zuverlässig entlastet.
Die Ursache steckt in unserer Anatomie
Während eines Fluges schwankt der Kabinendruck beim Steigen und Sinken sehr rasch. Das Mittelohr ist dabei nicht immer in der Lage, diesen rasanten Veränderungen sofort zu folgen.
Der Grund dafür liegt in unserem körperlichen Aufbau. Zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachenraum verläuft ein sehr schmaler Verbindungskanal, der als Eustachische Röhre bekannt ist – volkstümlich auch als Ohrtrompete bezeichnet.
Öffnet und schließt sich dieses kleine Röhrchen wie vorgesehen, bleibt der Druck auf beiden Seiten des Trommelfells im Gleichgewicht. Versagt dieser natürliche Mechanismus jedoch, entsteht ein Druckunterschied. Genau in diesem Moment machen sich typische Beschwerden bemerkbar:
- Ein starkes Völle- oder Verstopfungsgefühl in einem oder beiden Ohren.
- Deutliches Knacken und Knistern beim Schlucken oder Gähnen.
- Ein spürbar gedämpftes bis taubes Klangempfinden der Umgebungsgeräusche.
Das Valsalva-Manöver: So wird es richtig angewendet
Das Valsalva-Manöver ist eine einfache, aber wirkungsvolle Technik zur Druckausgleichung. Die Methode ist nach dem italienischen Anatomen Antonio Maria Valsalva benannt und wird seit Jahrhunderten angewandt.
Die Ausführung ist denkbar einfach: Halten Sie sich Nase und Mund zu, und versuchen Sie dann sanft auszuatmen – als würden Sie versuchen, durch die verschlossene Nase Luft herauszupressen. Dieser gezielte Druck zwingt die Eustachische Röhre, sich zu öffnen, und stellt das Gleichgewicht im Mittelohr wieder her.
Wichtig dabei: Wenden Sie nicht zu viel Kraft auf. Ein behutsames, kontrolliertes Pressen reicht völlig aus. Übermäßiger Druck kann im schlimmsten Fall das Trommelfell belasten.
Weitere hilfreiche Methoden beim Druckausgleich
Wer das Valsalva-Manöver lieber vermeiden möchte, hat einige sanftere Alternativen zur Auswahl. Häufiges Schlucken oder gezieltes Gähnen aktiviert die kleinen Muskeln, die die Eustachische Röhre öffnen.
Auch das Kauen von Kaugummi oder Lutschen eines Bonbons während des Starts und der Landung kann den natürlichen Druckausgleich spürbar erleichtern. Bei Säuglingen und Kleinkindern hilft das Trinken aus einer Flasche oder das Stillen während der Druckphasen.
Wann besondere Vorsicht geboten ist
Wer mit einer Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung fliegt, sollte besonders aufmerksam sein. In solchen Fällen ist die Eustachische Röhre oft bereits durch Schwellungen beeinträchtigt, was den Druckausgleich erheblich erschwert.
In diesen Situationen kann es sinnvoll sein, vor dem Flug ein abschwellendes Nasenspray zu verwenden – am besten nach Rücksprache mit einem Arzt. So lässt sich das unangenehme Druckgefühl bereits im Vorfeld deutlich reduzieren.










